Die letzten Tage in Jordanien

Nach Petra und der wunderbaren Hotelanlage dort, sind wir  nach Amman gestartet. Die zu fahrenden Distanzen sind jetzt bei weitem nicht mehr so groß, aber gleichzeitig nimmt auch die Fahr-Motivation etwas ab, man steht später auf, fährt demnach später los, hält eher mal an und macht Pause. So sind wir für die Strecke auch den ganzen Tag unterwegs. Wir fahren den landschaftlich sehr schönen Kings-Highway, der sich kurvig an vielen Sehenswürdigkeiten Richtung Norden schlängelt. Wenige Tage zuvor waren wir ja den Desert-Highway nach Süden gedüst. Es ist warm, sehr warm, eigentlich sogar heiß – dachten wir, was aber heiß ist, das lernten wir dann am nächsten Tag. Zwischendurch kreuzen wir den „Grand Canyon“ von Jordanien, innerhalb weniger Kilometer geht es von 700 Höhenmetern auf 200 hm und dann wieder hoch auf 1000 hm. Eine faszinierende Landschaft, leider haben wir wie schon die letzten und auch die nächsten Tage das Pech, dass die Luft eher trübe ist, wir also keine richtige Weitsicht haben. Wie vorgeahnt, treffen wir wieder genau zur rush-hour in Amman ein, eine Kunst, die wir bislang bei jeder größeren Stadt seit Istanbul perfektioniert haben. Das erwartete Chaos bleibt aus. Die Hauptverkehrsadern in der jordanischen Hauptstadt sind hervorragend ausgebaut, der Verkehr bei weitem nicht so dicht wie erwartet und die anderen Verkehrsteilnehmer fahren größtenteils recht gesittet.

Im Hotel Royal angekommen, werden wir trotz unserer verdreckten alten Autos wie Staatsgäste  in die Tiefgarage geleitet. Ein livrierter Einweiser klebt jedem Fahrzeug einen großen Hotelaufkleber auf die Scheibe – mit sichtlichem Missfallen. Denn jedesmal wenn er den Aufkleber glatt streicht, berührt er auch die Autos und bekommt dreckige Hände die er sich nicht traut an seiner Uniform abzuwischen…

Das Hotel ist sicherlich eines der besten Häuser am Platz, direkt im Botschaften-Viertel gelegen und entsprechend dicht bewacht. Hier und die nächsten Tage sehen wir so viele Pickups mit fest montierten Geschützen auf der Pritsche, wie nie zuvor während der Reise.

Wir ruhen uns in der Lobby ein wenig aus bevor wir zum phänomenalen Buffet im phänomenalen Ballsaal im dritten Untergeschoß schreiten. Einziger Wehmutstropfen: Es gibt nur Wasser auf den Tischen und zusätzlich wird spärlich Fruchtsaft verteilt. Jeder lechzte bei diesem Abendessen nach einem Glas Wein oder zumindest einem Glas Bier.

Am nächsten Tag stand dann das Jordantal auf dem Programm, Um Quais sowie die heißen Quellen von Shouna. Und heiß wurde es uns wahrlich. Frank nahm sich an diesem Tag frei, und wollte lieber Amman auf eigene Faust erkunden, so dass wir uns zu dritt im Opel aufmachten. Es ging das Gerücht, dass wir im Konvoi fahren würden, dementsprechend hatten wir uns auch an der Tiefgaragenausfahrt aufgestellt. Dieser Plan war aber schon nach dem Einfahren in den ersten Kreisverkehr zunichte gemacht. Keine Ahnung wo die anderen ausgefahren sind, hinter uns ist auch niemand mehr. Also auf eigene Faust aus der Stadt navigiert und Richtung Nordosten auf hervorragend ausgebauter Autobahn. Wir lassen uns dazu verleiten etwas zügiger zu fahren, 140 Stundenkilometer stehen schon mal auf der Omega-Uhr, und tatsächlich kommen wir in eine mobile Radarfalle. Doc h der Polizist winkt nur mahnend, wir sollten etwas langsamer machen. Das tun wir auch, und schon wenige Kilometer später werden wir von Walter vom OK, sowie einigen anderen teams mit einem Affenzahn überholt. Wir hängen uns dran, wenige Minuten später die nächste Radarfalle und Walter wird heraus gewunken.  Kurzes Gespräch mit den Beamten und es geht mit gebremstem Schaum weiter. An der nächsten großen Kreuzung treffen sich dann alle teams zusammen, und unter Polizeigeleit fahren wir jetzt alle weiter nach Um Quais. So müssen sich Staatsgäste fühlen, wenn sie eskortiert von Polizei über Kreuzungen und rote Ampeln brausen, weil diese wiederum von Polizei abgeriegelt werden. Mit konstanten 80 fahren wir sowohl über Land als auch durch die Ortschaften. Mit ist überhaupt nicht wohl dabei.

Umm Quais ist wohl eine der besterhaltenen antiken Stätten in Jordanien, uns geht es aber weniger um die Geschichte, sondern um die Lage. Wir  besichtigen zwar kurz das Theater, dann schreiten wir aber zum Abhang und blicken über ein enges Tal auf die Golanhöhen. Etwas weiter links im Dunst lässt sich der See Genezareth erkennen. Hier spürt man Geschichte. Hier ist die Wiege unserer abendländischen Zivilisation. Hier ist der Brennpunkt und das Pulverfass an dem sich morgen- und abendländische Kultur treffen und wo es sofort eskalieren könnte.

Es geht tiefer Richtung Jordantal und es wird immer wärmer. In Shouna angekommen werden wir zum „Kurbad“ der Gemeinde geleitet, wo uns Bürgermeister, Gemeinderäte und Honoratoren der Gemeinde aufs freundlichste begrüßen. Das Bad – welches den maroden Charme von Ostblockbädern ausstrahlt - soll ausgebaut werden. Man will speziell hier im Grenzgebiet friedlich mit den Nachbarn leben und sich um Ökologie kümmern. Dies alles wird uns vorgestellt, wir dürfen die Anlage benutzen und es gibt ein leckeres Buffet. Die geladenen Einheimischen schaufeln sich ordentlich auf ihre Teller – den Europäern ist es einfach zu heiß. Die wenigstens von uns haben Lust, sich den Hintern im bis zu 68 Grad heißen, nach Schwefel stinkenden Wasser zu verbrennen.

Jetzt werden auch Hilfspakete werden übergeben. Manchen ist das aber zu wenig , und wie wir später erfahren startet eine Gruppe ihr eigenes Hilfsprojekt. Sie fahren zu einer Polizeistation und wollen direkt in ein Flüchtlingslager. Viel Überzeugungsarbeit war wohl nötig, aber letztendlich haben sie es geschafft, dass sie ihre Hilfspakete direkt in einem Flüchtlingslager übergeben dürfen.

Wir wollen zurück nach Amman, schließlich ist heute auch die Abschlußveranstaltung mit Prinzessin Basmah und mit der Siegesfeier. Es ist wirklich heiß, dass Aussenthermometer des Opel zeigt 47 Grad. Das offene Autofenster bewirkt keine Kühlung, im Gegenteil, man glaubt, dass einem die Haut von den Knochen geföhnt wird. Als wir endlich wieder auf der Höhe von Amman und damit 1000 hm über dem Meer sind, kehren unsere Lebensgeister bei 35 Grad Aussentemperatur zurück. Es erscheint uns fast schon angenehm kühl – und wir haben den ersten und einzigen Unfall.

Naja, Unfall ist vielleicht etwas übertrieben. Im toten Winkel hinter unserem Auto bewegt sich ein Taxi, und es findet eine touchierung statt. Bislang haben wir die Erfahrung gemacht, dass man sich auf den Verkehr vor einem konzentrieren muss, und da das alle tun, passiert auch nichts. Dennoch, wir haben einen frischen Kratzer im verdreckten Kotflügel und dieser könnte zu einem der vielen Kratzer in seiner Stoßstange passen. Wir wollen nicht lange diskutieren, handeln den geforderten Schadenersatz von ca. 20,- auf 15,- Euro runter und fahren mit dem Gefühl weiter, dass dieser Taxifahrer sich sein Auto mit diesem billigen trick bei Ausländern finanziert hat.

Am Abend die Abschlußfeier. Nicht nur die Rallyeteilnehmer mit Familien und Freunden sind anwesend, sondern auch sehr viele geladene Jordanier, Minister, Excellenzen, ein Vertreter der UN und natürlich Prinzessin Basmah, die alle mit ihrer charmanten Art und ihrer intelligenten engagierten Rede  in ihren Bann zieht. Es gibt Reden, Ehrungen an alle möglichen und unmöglichen Helfer und Unterstützer der Rallye, aber auch an die Motorradfahrer und an Bernhard Hoecker, für den ich auch noch eine Lanze brechen muß. Bei unserer ersten Begegnung mit den „celebrity“ waren wir ziemlich angekäst, weil ständig ein Kameramann um ihn herumgeschwirrt ist. Im weiteren Verlauf hat sich allerdings gezeigt, dass Hoecker wirklich und tatsächlich nur als stinknormaler Teilnehmer wahrgenommen werden wollte. Er hat sich nie in den Vordergrund gespielt, sondern war eher zurückhaltend. Hat sich auf keine Bühne bitten und zu keiner performance hinreissen lassen. Wir haben es nicht richtig verstanden, aber er wurde von Prinzessin Basmah speziell für sein Engagement bei der Rallye gewürdigt, hat er speziell noch etwas gespendet oder war es für die publicity die im Nachgang zu erwarten sein wird? Also, B.H., Du hast die Rallye wie wir alle gemeistert und uns letztlich davon überzeugt, dass Du ganz in Ordnung bist. „Genial Daneben“ werde ich zwar trotzdem nicht anschauen, aber ich werde auch keine negativen Bemerkungen über Dich machen – ok?

Die Abschlußfeier war vielleicht nicht ganz „unser Ding“, sie hat uns aber klar gemacht, wie ernst die Rallye in Jordanien genommen wird, und für wie wichtig das Hilfsengagement aus Deutschland angesehen wird. Es hat einen weitaus höheren Stellenwert, als man dies auf den ersten Blick wahr nimmt. Dies lies sich auch aus der darauf folgenden nationalen Presse entnehmen.

Dann unser letzter Urlaubstag in Jordanien. Es stehen der Berg Nebo und das tote Meer auf dem Programm, danach werden die Autos in der Käserei abgestellt und die Bäume gepflanzt. Ein reiner Spaßtag, auch wenn die Fahrt auf 300 hm unter Meeresspiegel wieder hohe Hitzeresistenz von uns und unseren Fahrzeugen abverlangt. Die Aussicht von Mount Nebo ist wie die letzten Tage auch etwas getrübt, dennoch spürt man auch hier, dass man an einem Ort ist, der sozusagen Geschichte atmet. Moses soll hier gestorben sein und viele biblisch bedeutsame Orte liegen in greifbarer Nähe.

Am toten Meer nutzen wir die Anlage eines Hotels. Wir treiben wie Korken auf der extrem salzhaltigen Wasseroberfläche, schmieren uns gegenseitig mit schwarzem Schlamm ein, was heilende Wirkung bei Krankheiten verspricht, die wir hoffentlich alle nicht haben. Wir relaxen und lassen es uns einige Stunden gut gehen, bevor wir zur Käserei aufbrechen. Wiederum im Konvoi geht es Richtung Flughafen und danach nach Al Rabiat, der Käserei mitten in der Wüste. Leider sind die Anlagen zum Käse machen noch nicht eingetroffen, so sehen wir also nur leere geflieste Räume. Wir pflanzen unseren Baum und verabschieden uns teils schweren Herzens von unseren Autos. Der alte BMW ist Frank und mir richtig ans Herz gewachsen die letzten zwei Wochen. Eigentlich war er doch zuverlässig, für die zerschlagene Ölwanne kann er nichts, und eine defekte Benzinpumpe nach 180.000 km ist auch kein Beinbruch. Andererseits hat er uns ein super Fahrvergnügen beschert, eben wie vor 25 Jahren, hat uns der Landschaft und der Straßenbeschaffenheit näher gebracht. Er hat uns Kontakt zu Menschen verschafft, ein ehrlicher und authentischer Partner, trotz Mängeln und Mankos Souveränität ausstrahlend – wie seine Besatzung.

Mit Bussen geht es zum Airport-Hotel wo wir einen letzten gemeinsamen Abend bei Buffet und Bauchtanz im Freien erleben.

 

Über zwei Wochen voller Erlebnisse, Eindrücken und Begegnungen sind zu Ende. Als wir in Karlsruhe Richtung gestartet sind, hatten wir uns wenige Meter nach Ollis Wohnung schon verloren und erst wieder nach Stuttgart getroffen. Kein guter Start. Dennoch sind wir die nächsten über 6.000 km immer zusammengeblieben, ausser nach der Sonderprüfung in der jordanischen Wüste. Wir hatten oftmals das Gefühl, wenn wir mit anderen teams gesprochen haben,  dass wir das am schlechtest vorbereitete team waren. Und trotzdem haben wir die Rallye gemeistert. Wir hatten viel Spaß, haben uns auch mal gezofft, wir hatten Meinungsverschiedenheiten und haben uns zusammen gefreut. Klar, wir sind vier unterschiedliche und starke Individuen, da bleiben Spannungen nicht aus. Aber das Positive hat ganz klar überwogen.

Würden wir es wieder machen? Ich sage ganz klar ja, ich bereue nicht dieses Abenteuer mitgemacht zu haben, und den anderen geht es sicher auch so. Für Olli und mich war es zwischendurch, und dann auch beim Abschlußprogramm ein bisschen schwierig. Wir wurden immer wieder von Heimwehattacken nach unseren (neuen) Freundinnen heimgesucht.

Werden wir es wieder machen? Hier steht ein großes Fragezeichen. Es ist vielleicht eine Sache, die man nur einmal im Leben macht, beim zweiten Mal ist die Herausforderung nicht mehr so groß, allerdings kann man seinen eigenen Schwerpunkt anders setzen. Ich glaube wir sind jetzt zuerst einmal froh und glücklich, dabei gewesen zu sein. Wir haben vieles erlebt, und wir haben uns sicherlich alle ein Stück weit verändert. Trotz diesem ständigen „unterwegs sein“ hatte jeder von uns die Möglichkeit, lange Nachzudenken und sich über das eigene Leben klar zu werden. Und wenn man mit einem Freund zu zweit über Stunden im Auto sitzt, dann ergeben sich einfach auch Gespräche, die tiefer gehen als in der Stammkneipe oder während der Mittagspause.

Also, vielleicht liest Ihr ja in ein oder zwei Jahren wieder einen Blog von einem Wasserpfeifenteam, unterwegs nach Jordanien, oder vielleicht gibt es ja bald ein anderes Abenteuer das mir berichtenswert erscheint.

 

Kommentare: 7 (Diskussion geschlossen)
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