Auf den Spuren von Indiana Jones

Heute sind wir nach Petra gestartet. Von der Küste im Süden haben wir uns wieder auf über 1000 Höhenmetern hochgeschraubt. Die gute Nachricht, wir hatten keine Panne. Die schlechte Nachricht, Frank hat gerade entdeckt, dass ich am BMW das Licht habe brennen lassen, morgen könnte also Starthilfe angesagt sein. Wenn das aber alles ist, kein Problem für uns.

Die Fahrt war landschaftlich wieder klasse, allerdings war es etwas diesig, an der Küste wohl vom Meer, weiter oben war es dann aufgewirbelter feiner Sand, der die Landschaft nicht ganz klar hat erkennen lassen. Der Rallyetross ist etwas auseinandergezogen, so dass man zwar immer mal wieder auf andere teams trifft, es hält sich aber sehr in Grenzen. Es macht ungemein Spaß, ohne Zeit- und Kilometerdruck durch dieses Land zu reisen. Der Sprit es sehr preisgünstig (unter 50 Cent), da macht das Tanken auch wieder richtig Spaß, wenn die höhere Zahl an der Zapfsäule die Liter sind. Die Menschen in Jordanien begegnen uns sehr freundlich und hilfsbereit, sehr viele sprechen englisch, und wenn nicht, versuchen sie jemanden beizuholen, der englisch kann. Eine Frage am Anfang ist immer: Where are you from? und wenn man diese beantwortet hat kommt: Welcome in Jordan!Darüber freut man sich einfach.

Petra ist inzwischen eine richtige Touristenattraktion und hat einen entsprechend großen Andrang zu verzeichnen. Und wie ich im Nachhinein sagen muss, zu Recht. Reisebusse ohne Ende, und auch viele Pkw blockieren den Parkplatz. Wir ziehen festes Schuhwerk an da wir wissen, heute ist Laufen angesagt. Nach dem Eingang geht es zuerst einmal eine ca. 1 km lange Pflasterstraße bergab bis zum eigentlichen Eingang der Schlucht Siq. Hier wird das ganze touristische Elend leider schon deutlich. Gerötete, übergewichtige oft schon lethargische Touristen kommen uns auf Eseln entgegen. Petra fordert seinen Tribut. Dann geht es kilometerweit durch die Schlucht des Siq, zwischen 3 und 12 Metern breit, in vielen Kurven in den weichen, vielfarbigen Sandstein gefressen mit wunderschönen Formen. Immer wieder sind Inschriften und religiöse Abbildungen von Menschenhand in die Wand gemeiselt. Ein intelligentes Kanalsystem sammelt das seltene Regenwasser und führt es Zisternen zu. Dann plötzlich wird der Blick frei für das treasury house. Eine in den blanken  Fels gehauene Fassade, die bekannt ist aus der Schluß-Szene eines Indiana Jones Films mit Harrison Ford und Sean Connery. Aber auch ohne dieses Wissen ist man von diesem Anblick einfach überwältigt. Es ist unfassbar, was die Nabatäer da vor 2000 Jahren geschaffen haben. Dann kommt ein highlight nach dem anderen. Tempel, Gräber, alles in den Fels gehauen. Was "normal" gebaut war in Petra, ist Opfer der Zeit geworden und zerstört oder abgetragen. Nur die Felsenhöhlen und Fassaden in dieser unglaublich schönen kargen Fels-Landschaft sind stehen geblieben. Ich bin ehrlich der Meinung, dass sich eine Jordanienreise alleine schon wegen Wadi Rum und Petra lohnt. Man muss ja nicht unbedingt über Land mit einem alten Auto anreisen, es gibt ja auch Flugverbindungen. Wir bleiben mehrere Stunden in Petra, genießen die Atmosphäre der Landschaft. Allerdings teilen wir diese mit hunderten anderer Touristen, die Postkartenmotive ganz ohne Menschen bleiben uns so gut wie verwehrt. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass es vor 2000 Jahren genau so gewesen sein muss. Eine lebhafte Stadt, in der die Menschen herumgewuselt sind, um Handel zu treiben, ihrem Handwerk nachzugehen oder religiöse Kulte zu begehen. Ein interessanter Nebenaspekt: überall gibt es Mülleimer und kostenfreie Dixi-Toiletten, damit die Schlucht einigermassen sauber bleibt.

Und danach der Hammer: wir sind in einem 5 (oder waren es 15?) Sterne Hotel. Es besteht aus vielen kleinen Bungalows, orientalisch stilvoll eingerichtet, Swimmigpool, Hammam, Bar, und einem Spitzenrestaurant, wo wir heute abend sehrsehrsehr gut gegessen haben. Jetzt sind wir mit dem Reiseveranstalter wieder etwas versöhnt, er hat mit dieser Hotelwahl richtig Punkte gut gemacht.

Noch ein Wort zu einigen Kommentaren im Gästebuch. Ich weiß, es ist nicht ernst gemeint, wenn man uns als Helden und Abenteurer bezeichnet. Wir sind sicherlich keines von beidem. Was wir machen, ist einfach einen Traum zu verwirklichen, den viele andere auch träumen, aber vielleicht doch zu träge sind diesen zu verwirklichen. Das Schwierigste ist sich aufzuraffen und sich anzumelden. Alles andere hat sich entwickelt und kann bei entsprechendem Humor, Durchhaltevermögen, Leidensfähigkeit und Improvisationstalent von jedem von uns bewältigt werden. Ein Schuß abenteuergeist hilft, und ist bei uns wohl schon vorhanden. Wenn man Teilnehmer dieser Rallye als Helden bezeichnen kann, dann ist es das Motorradfahrerpärchen, das die komplette Strecke bewältigt hat und selbst das Anschlußprogramm auf ihren Mopeds bewältigt - bei den Temparaturen. Jeden Tag 600 bis 700 km  auf dem Motorrad, teilweise bis nach Mitternacht unterwegs und dann noch campen. Unser größter Respekt an dieser Stelle - Chapeau!

 

Geschenkuebergabe
Geschenkuebergabe
Bunte Steinschichten in der Schlucht
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Indiana Jones war auch hier
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Die Schatzkammer von Petra
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Man goennt sich ja sonst nichts - unser Hotelzimmer
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