AQABA, AQABA (Zitat aus Lawrence von Arabien)

Das ist ja toll, dass sich doch einige gemeldet haben und weitere Berichte wollen. Aber ich bin mir sicher, dass es noch sehr, sehr viele heimliche Leser gibt, die auch gerne mehr wissen wollen, sich aber scheuen was in's Gästebuch zu schreiben. Nur Mut, nehmt Euch ein Beispiel an Jörn!
Gestern sind wir zuerst ewig durch eine topfebene Wüstenlandschaft gefahren. Ab und zu mal ein Erhebung am Horizont. Doch plötzlich bricht diese Ebene mehrere hundert Meter in eine atemberaubende Wüsten- und Felslandschaft ab. Wir kommen Richtung Wadi Rum. Bizarre Felsen und Berge, Sand in Gelb- bis Rottönen, unglaublich schön. Wir fahren Richtung visitor center, wo schon ein Geländewagen für uns bereit steht. Das Wadi Rum darf man nur mit Allrad und dann gegen Gebühr befahren. Aber es steht eine Armada teilweise extrem altersschwacher Geländefahrzeuge bereit, die die Touris durch die Wüste schaukeln. Es geht los. Unser Nissan ist besonders altersschwach, der Fahrer eher introvertiert. Wir sitzen gemütlich auf der Ladefläche unter einem Sonnensegel, während der Fahrer verzweifelt versucht zu schalten. Wir sind froh, wenn wir rollen, denn dann kriegt er mit lautem Gekrache geschaltet. Wir kommen bis zu einem ersten Nomadenzelt, wo Souvenirs und Tee verkauft werden. Nach einer kleinen Pause springt die Karre dann nicht mehr an. Also das Starthilfekabel raus. Liebevoll werden die feinen Drähtchen von Batterie zu Batterie geflochten, und der Motor springt an. Was uns da schon auffällt: kein Luftfilter, alles was an Schläuchen mal im Motor vorhanden war ist abgeschnitten und beispielweise mit einer alten Zündkerze oder ähnlichem Wieder verschlossen. Kabel hängen lose herum. Es sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Aber wir fahren weiter. An einem kleinen Anstieg versucht unser Fahrer, anstatt im 2ten Gang zu bleiben wieder mal das Schalten, er kriegt den Gang nicht rein, wir bleiben stehen, er würgt den Motor ab. Also versucht er den Gang im Stand reinzumachen und dann ohne Kupplung (!!!) den Motor zu starten. Wir ruckeln zwei mal, dann ist die Batterie wieder leer und die Karre steht. Der Fahrer bittet uns zu schieben. Wir nehmen ihn nicht ernst. Den schweren Geländewagen im Sand den Berg hoch anschieben? Wir winken einen anderen Geländewagen her und machen ihm mit Zeichen klar, dass er uns Stoßstange an Stoßstange anschieben soll. Er macht das auch, sogar zwei mal. Jedes mal würgt unser Kerl den Wagen wieder ab, weil er es einfach nicht lassen kann nur im zweiten Gang zu fahren, sondern glaubt ordentlich im Getriebe rühren zu müssen. Wir werden leicht angenervt. Als der Wagen wieder stehen bleibt hat auch unser armer Chauffeur ein Einsehen und ruft über Handy einen Ersatzwagen. Warum haben immer wir die Pannen???
Das Wadi Rum ist aber dennoch genial, und ich würde gerne nochmals hier hin gehen. Vielleicht auch zum Wandern oder um eine ausgiebigere Geländewagentour zu machen, anstatt nur zwei Stunden.
Danach fahren wir zum Wüstencamp. Eine riesige Anlage von Zelten verschiedener Größe. Der Platz in der Wüste ist genial, uns ist aber die schiere Größe etwas suspekt. Dazu kommt noch eine französische Reisegruppe mit mehreren Bussen, wir schätzen dass so um die 500 Menschen hier eine zauberhafte Wüstennacht verbringen wollen. Das ist nicht unser Ding, wir bauen unsere eigenen Zelte auf. Das Abendessen lässt viel zu lange auf sich warten (es gibt im Erdofen gebackenen Hammel), so dass das Bier eigentlich in Strömen fließen sollte. Wir halten uns allerdings bei einem Preis von über 4 Euro für eine 0,33l Dose vornehm zurück und bleiben fast abstinent. Wir sind mit vielen Rallyeteilnehmer darin einig, dass dieser hohe Preis völlig unangemessen ist. Was dazu kommt, am Tag zuvor hat man uns noch gesagt, wir sollten  doch bitte keinen Alkohol ins Wüstencamp mitnehmen, woran sich das Wasserpfeifenteam (leider) auch brav gehalten hat. Natürlich verstehen wir, dass dies ein muslimisches Land ist, und der Alkohol deswegen verpönt ist. Wenn man dann aber einen solch hohen Preis in einem Wüstencamp von den Touristen verlangt, wo Aqaba nicht mal eine Fahrstunde entfernt ist, und die Dose 80 Eurocent kostet, dann ist das meines Erachtens Nepp. Dann lieber keinen Nepp. Ein Teilnehmer der palästinensischer Abstimmung ist, hat zu dem Veranstalter nur gemeint, dass er es beschämend findet, wenn Europäer, die mit so vielen Geschenken (es sind ja nicht nur die Autos, sondern jeder hat ja Klamotten, Spielsachen, Werkzeug, etc.) für die Jordanier kommen, dermaßen ausgenommen werden. OK, Thema beendet.
Jedenfalls ist das Camp bedeutend besser ausgestattet, es gibt zumindes bei den Herren 5 Duschen und 4 KLos. Das ist ein Riesenschritt zu gestern, wo es nur 1 Klo und 2 Duschen gab.

Am morgen liessen wir es sehr ruhig angehen. Nichts hetzt uns, wir fahren nur nach Aqaba ans Rote Meer. Also sehr gemütlich frühstücken, noch einen Tee, und ein Tässchen Nescafe hintenan. Dann mal laaaangsam zusammenräumen und starten. Bei bis zu 38 Grad Celsius fahren wir von fast 1000 Metern über Meereshöhe, genau an dieses. Aqaba und das Rote Meer. Wer Lawrence von Arabien gesehen hat, für den hat dieser Name geradezu etwas mystisch-aufregendes. Die Stadt ist inzwischen natürlich eine moderne Hafenstadt und Freihandelszone. Ausserdem ein Badeort für die Jordanier. Es ist übrigens nur ein schmaler Küstenstreifen, der zu Jordanien gehört. Auf der einen Seite ist Ägypten, und Aqaba selbst grenzt direkt an Israel, man kann hinübersehen. Da könnte man doch glatt noch einen zusätzlichen Länderstempel holen für die Rallye. Doch die ist inzwischen vorbei, und die Grenzformalitäten sicherlich extrem zeitraubend, wenn es überhaupt möglich wäre von Israel nach Jordanien einzureisen. Also fahren wir lieber zu einem der berühmten Strände, südlich der Hafenstadt. Sorry, wir sind enttäuscht. Die Strände sind nicht wirklich schön. Die Einheimischen lieben es wohl am Strand zu grillen und zu picknicken, und so treffen die nackten Füße beim Strandspaziergang eher auf abgenagte Hühnerknochen und Glasscherben. Der starke Wind führt ausserdem dazu, dass mannigfaltiger Plastikmüll über den Strand geblasen wird. Vielleicht ist es an den Hotelstränden besser, an einen Öffentlichen Strand würde ich nicht mehr gehen. Da es im Wasser Seeigel gibt gehe ich mit meinen Plastiksandalen ins Meer. Die hätte ich mal lieber an die Hände gezogen, denn ich ramme mir zwei Stachel in einen Finger. Sofort sind Jordanier zur Stelle und empfehlen, die Stachel gleich mit Zigarettenglut zu desinfizieren, dass sei das beste Mittel wird auf Arabisch-englisch geradebrecht. Ich bin zuerst amüsiert, bis der eine seine Zigarette anzündet und meine Hand packt. Halt, Stop, nicht mit mir. Ich habe eine ordenliche Krankenversicherung und bin extrem Schmerzempfindlich,wie sich das für einen Mitteleurpäer so gehört. Dass das mit der Glut nicht Schlimm ist demonstriert mir mein Rettungssanitäter, indem er sich selbst in den Finger brennt und mir dann die zahlreichen Brand-Narben an seinem Körper zeigt. Gibt es in Jordanien Jünger zarathustras? Das muss ich mal zuhause recherchieren.
Irgendwie ist mir der Strandaufenthalt bei der Hitze, dem Wind, dem Dreck jetzt verleidet. Ich überzeuge die anderen durch permanentes Jammern, dass wir gehen. Wir kommen zurück zu unserem Opel, das bislang pannenfreie Fahrzeug, und das rechte Hinterrad ist platt. Wir können es nicht fassen. Und was haben wir an Reservereifen dabei? In Damaskus hatten wir die Vorderräder gegen die beiden Reserveräder getauscht, da durch eine verstellte Spur beide innen stark abgelaufen waren. Das eine Rad bis auf die Stahlkarkasse. Das andere Rad hat dagegen eine Beule an der Flanke. Und das sollten wir jetzt aufziehen. Olli verflucht kurz Frank und mich, hatten wir ihn doch in Karlsruhe dazu überredet, das dritte Ersatzrad zuhause zu lassen...
Also Rad wechseln. Wir bekommen nur das Sch...Rad nicht ab. Da hilft auch keine Sonnenmilch, die wir in unserer Verzweiflung als Schmiermittel verwenden. Rohe Gewalt von 4 verzweifelten Männern brechen dann den Widerstand des Rades doch.
Wir fragen uns mal wieder: Warum? Warum diese Pannen und ausgerechnet wir! Das weiß wohl nur Allah.
Olli und Peter haben inzwischen den Reifen flicken lassen, wir haben im Hotel zu abend gegessen und vom Innenhof dringt lautstark arabische Musik zu unseren Zimmern. Es ist immernoch sehr warm. Morgen geht es nach Petra. Wir sind gespannt, es sind ja nur einige wenige Kilometer....

Ein Dankesgruss auf unserer leicht verstaubten Scheibe
Ein Dankesgruss auf unserer leicht verstaubten Scheibe
Kinder am Strand
Kinder am Strand
... nach einer Stunde haben wir das Sch... rad ueberedet
... nach einer Stunde haben wir das Sch... rad ueberedet
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