Hast Du Souvenir fuer meine kleine Schwester?

syrisches Wahrzeichen - Wasserrad in Hama
syrisches Wahrzeichen - Wasserrad in Hama

Hey, wir sind tatsaechlich in Palmyra, der Wuestenoase angekommen, und der Weg nach Amman ist wirklich nicht mehr weit. Ich sitye im Internet-Cafe und quaele mich mit der arabischen Tastatur ab.

Seit Iskenderum ist schon wieder soooooo viel passiert. Es sind wirklich unheimlich viele Eindruecke auf einer solchen Reise, damit muss man zuerst einmal klar kommen. Olli sagt: wenn ich zuhause bin, muss ich zuerst mal 4 Wochen aufs Sofa und alles verabeiten. Von Iskenderum sind wir relativ zuegig an die Grenze gekommen. Schon bei der Ausreise aus der Tuerkei gab es Probleme. Bei unserer Einreise in die Tuerkei hat der Zoellner bei Ollis Auto einen Tipfehler beim Kennzeichen gemacht. Das Auto mit dem wir ausreisen wollten war also eigentlich garnicht im Land! Eine Odysee durch alle moeglichen Zollbueros begann. Waehrend dieser naechsten zwei Stunden hatten wir dadurch die Gelegenheit alle anderen teams zu sehen, die an uns vorbei fuhren - toll! Dank der Hilfe eines Syrers\Tuerken (?) hat es Olli dann aber geschafft, dass ein Beamter den Eintrag im tuerkischen Zentralcomputer geaendert hat, und wir konnten ausreisen. Und da waren wir dann alle wieder zusammen. Mindestens 50 teams hingen an der syrischen Grenze fest. Die Zoellner waren zwar wirklich bemueht, aber diesem Ansturm waren sie leider nicht gewachsen. Es ging ewig. 3 hollaendische Motorradfahrer waren zwar vor dem Rallyetross an der Grenze, hatten aber dann auch Schwierigkeiten, und so konnten sie erst nach uns die Papiere beantragen. Auf eine solche Wartezeit hatten sie sich sicherlich nicht eingerichtet. Wir selbst hingen insgesamt 7 Stunden an der Grenye fest. Als wir endlich syrischen Boden betraten, hatten wir genau den richtigen Muerbegrad, um eine Grossstadt zu besuchen: Allepo!

Wir wollten nur ein bisschen Geld tauschen... Auf dem Weg aus der Stadt begingen wir den Fehler nicht genau so herauszufahren, wie wir gekommen sind, wir haben uns an Himmelsrichtung und an grossen Strassen orientiert, die aber irgendwann immer kleiner wurden. Wir gerieten in einen "Vorort" in den ich nicht nachts und nicht alleine gehen wuerde. Keine Strassen sondern nur noch steinharte  Erdwege, die so aussahen als waeren Panzer bei Regen durchgerollt. Ich hatte Angst um unsere Oelwanne, und die uns ueberholenden Schildkroeten gruessten aufs Freundlichste... Immer wieder fragen, die Leute waren freundlich aber uerschatzten die Bodenfreiheit unserer bayerischen Rentnerrakete bei weitem. An irgendeiner Strassenecke hat sich dann ein Knirps, vielleicht 15 Jahre alt in seinen Toyota-Kombi gesetzt und innerhalb 300 metern waren wir wieder auf Asphalt, dann auf einer grossen Strasse, dann auf einem Kreisverkehr Richtung Damaskus. Wir erwarteten, dass er dafuer Geld wollte, aber es war ihm nur eine Ehre. Obwohl alles klar haette sein muessen, sind wir dann doch nochmals falsch abgebogen, doch unser kleiner Helfer, war schon wieder da mit seinem Toyo und zeigte uns den richtigen Weg. Wann habe ich das mal in Deutschland fuer einem Syrer gemacht?

Wir schafften eszur naechsten groesseren Stadt, Hama, fanden ein Hotel, genossen das pulsierende nachtleben - es war so etwas wie Stadtfest mit umzug und Jahrmarkt - und fielen irgendwann todmuede ins Bett.

Heute morgen dann auf Richtung Palmyra. Die naechste Grosstadt Homs war zwar wieder eine Herausforderung, aber wir haben inzwischen gelernt zu fragen, am besten an jeder Kreuzung und am besten einen Polizisten. Unsere naechste Lektion, nicht jeder Polizist kennt sich ueber sein Stadtviertel hinaus aus, und wo er mit seiner 125er Honda durchkommt, kommen wir nicht automatisch auch durch. Wieder ueber eine Stunde voller orientalischer Eindruecke und fahrerischer Herausforderungen.

Endlich Palmyra. Wir sind begeistert von den Ruinen und der Atmosphaere an diesem Ort in der Wueste. Die Sonderaufgabe ist im Palmenhain, und wir sind nicht die ersten Touristen, und heute nicht das erste Rallyeteam, das dort hin will. Die fliegenden Haendler auf ihren Mopeds stuerzen sich genauso auf uns, wie bettelnde Kinder. Wenn wir nichts kaufen wollen, dann werden wir gefragt: Do you habe souvenir for my little sister at home?

Es ist laestig aber bei weitem nicht so schlimm wie in anderen Touristenmetropolen. Palmyra erinnert mich ein wenig an Douz in Tunesien - das Tour zur Sahara - wir suchen uns ein Hotel und beschliessen heute nacht hier zu bleiben. Wir haben keine Lust wieder in der rush hour in einer orientalischen Grossstadt auf zimmersuche zu gehen. Dann doch lieber einen gemuetlichen Nachmittag in dieser Oase, heute abend von der Zitadelle aus den Sonnenuntergang geniessen.

Seit ich heute bei einer Tankstelle mal musste, beschaeftigt mich ein Thema: wir gehen doch alle mehrmals am Tag auf dieses "stille Oertchen". Eine aeusserst private Angelegenheit. Warum legen so viele Menschen verschiedenster Kulturkreise so wenig Wert darauf, dass man an diesem Ort in Ruhe und Sauberkeit sein Geschaeft verrichten kann? Das gilt sicherlich nicht nur fuer den Orient, sondern habe ich in suedeuropaeischen Laendern genau so erlebt wie z.B. in Russland. Dieses Thema sollte dringend mal vertieft werden. Vielleicht will mir unsere geschaetzte Leserschaft dabei weiterhelfen? Da kann sich doch jeder morgen frueh auf dem Klo mal Gedanken darueber machen, anstatt die Bildzeitung zu lesen ;-)))

 

P.S. Entschuldigt bitte die ganzen Rechtschreibfehler in unserem blog. Wer mich kennt weiss, dass ich mich immer darueber beklage, dass man auf Rechtschreibung im Internet keinen Wert zu legen scheint. Aber wenn ich im Auto waehrend der Fahrt, oder hier auf einer arabischen Tastatur vor mich hinklopfe, dann geht schon mal was schief. Nach unserer Rueckkehr werde ich das richten...

Warten an der syrischen Grenze
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Franks neuer bester Freund - syrischer Zoellner, man beachte seinen "Schreibtischstuhl"
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Abendbummel in Hama
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Kommentare: 1
  • #1

    hannes (Montag, 11 Mai 2009 12:54)

    hallo ihr wasserpfeifen!

    habe letztes jahr die rallye mitgemacht und bin ein freund von frank. liest sich super was ihr da schreibt! und es klingt so bekannt. krieg wieder richtig fernweh und denke mit freude an die zeit in syrien zurueck... wuensche euch das beste, noch eine gute fahrt - kommt heil an!! und allerbeste gruesse an frank!